Die Geschichte des Tees, von China bis ins Vale do Ribeira

Luftaufnahme terrassierter Teeplantagen, die die Hügel von Yunnan in China bedecken
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Jede Tasse grünen, schwarzen oder weißen Tees stammt von derselben Pflanze, Camellia sinensis, einem immergrünen Strauch aus Asien, der zur Familie der Theaceae gehört (NLM, 2026). Hibiskus, Kamille und Zitronengras, deren Aufgüsse in Brasilien und nicht nur dort ebenfalls Tee heißen, gehören zu anderen Arten, fallen nicht unter die internationale Norm zur Klassifizierung der Teetypen (ISO, 2023) und sind streng genommen Aufgüsse. Die Unterscheidung wirkt wie ein Detail für Fachleute, doch sie gibt der Geschichte des Tees, wie sie hier erzählt wird, ihre Ordnung: von der chinesischen Legende über die Teegärten in Rio de Janeiro und im Vale do Ribeira bis zum Mate, dem von den Guaraní überlieferten Aufguss.

Hang in China mit Teesträuchern auf Terrassen, deren glänzend grünes Laub in Reihen geschnitten ist, die den Höhenlinien des Geländes folgen
Terrassierte Teegärten in der Gegend von Longjing bei Hangzhou in der Provinz Zhejiang. Foto: Peter K Burian, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Die Ursprünge des Tees in China

Die am häufigsten erzählte Version über die Entstehung des Tees ist eine Legende. Um 2737 v. Chr. sollen Blätter einer wild wachsenden Pflanze zufällig in das Wasser gefallen sein, das gerade für Kaiser Shennong kochte, den „Göttlichen Bauern“ der chinesischen Mythologie, und ihm habe das Getränk geschmeckt. Der Sinologe Victor Mair von der University of Pennsylvania schreibt, es gebe nicht den geringsten Beleg dafür, dass Shennong je gelebt hat (Mair, 2016).

Ausdrücklich verknüpft werden Shennong und der Tee im Chájīng (茶經), dem „Klassiker des Tees“, den Lu Yu Mitte des 8. Jahrhunderts verfasste, rund dreieinhalb Jahrtausende nach dem Datum, das dem Kaiser zugeschrieben wird. Aus Sicht der Forschung diente diese Verbindung dazu, dem Getränk einen Ursprung im fernen chinesischen Altertum zu verschaffen, hat aber keinen Wert als historisches Zeugnis. Das eigentliche Verdienst von Lu Yu (733-804) liegt woanders: Sein Buch gilt als die erste Abhandlung, die sich ganz dem Tee widmet, vom Anbau bis zur Zubereitung (Mair, 2016).

Einer der ältesten und am besten dokumentierten physischen Belege kam 2016 ans Licht, als Forschende aus China und vom University College London Pflanzenreste aus dem Mausoleum des Kaisers Jing untersuchten, eines Herrschers der Westlichen Han-Dynastie, der 141 v. Chr. starb und nahe dem heutigen Xi’an bestattet wurde. Calciumoxalatkristalle, wie sie für die Gattung Camellia typisch sind, sowie Koffein und Theanin bestätigten, dass es sich um rund 2.100 Jahre alte Teeblätter handelte, die die Autoren als den ältesten bis dahin bekannten materiellen Nachweis des Getränks vorstellten (Lu et al., 2016).

In einem 2015 erschienenen Buch, das Mair rezensiert hat, zeigt der Historiker James A. Benn, wie Tee in der Tang-Dynastie (618-907) aufhörte, vor allem ein bitterer Absud für medizinische Zwecke zu sein, und zu einer verfeinerten Sitte im ganzen Reich wurde. Benn bringt diese Wende auf die Formel „tea was essentially a Tang invention“, zu Deutsch etwa: Tee war im Wesentlichen eine Erfindung der Tang-Zeit (Mair, 2016). Von dieser Verfeinerung zeugt ein vollständiger Satz Teegeräte aus Gold und vergoldetem Silber, der zwischen 873 und 874 als kaiserliche Opfergabe in der Krypta des Famen-Tempels bei Xi’an eingeschlossen und 1987 von Archäologen entdeckt wurde (Kan, 2014).

Die Ausbreitung des Tees in Asien

Dieselbe Studie von 2016 wies Tee-Rückstände in einem Grab in Ngari in Westtibet nach, das auf das 2. und 3. Jahrhundert n. Chr. datiert wird. Das Blatt überquerte demnach schon damals auf einem Zweig der Seidenstraße das Hochland von Tibet in Richtung Zentralasien, Jahrhunderte vor der berühmten Tee-Pferde-Straße, die im 7. Jahrhundert entstand und auf der chinesischer Tee gegen mongolische und tibetische Pferde getauscht wurde (Lu et al., 2016).

Korea lernte den Tee bereits im 7. Jahrhundert kennen, und laut dem Samguk sagi, einer Chronik von 1145, begann der Anbau 828 mit Samen aus dem China der Tang. In der Goryeo-Zeit (918-1392) rückte der Tee ins Zentrum der Adelskultur, und am Hof gab es eine eigene Behörde, die allein dafür zuständig war, ihn zu servieren (Song, 2017).

Nach Japan gelangte der Tee über die Klöster. Chinesische buddhistische Mönche tranken ihn zu Heilzwecken und um beim Meditieren wach zu bleiben, und der Japaner Kūkai, der in China studiert hatte, kehrte 806 mit einem Teeziegel aus grünem Tee für den Hof zurück (Seco, 2021). Den entscheidenden Schritt tat 1191 der Zen-Mönch Myōan Eisai (1141-1215), Gründer der Rinzai-Schule, der mit Teesamen und der Methode zur Zubereitung von pulverisiertem grünem Tee, dem Matcha, aus China zurückkam und später das Kissa Yōjōki schrieb, ein Schlüsselwerk der Teekultur auf dem japanischen Archipel (Seco, 2021; Mair, 2016).

Kodifiziert wurde die Teezeremonie, Chanoyu, im 15. und 16. Jahrhundert von Meistern wie Murata Shukō (1423-1502), der für Schlichtheit eintrat, und Takeno Jōō (1502-1555), der mit dem Wabi die Ästhetik einer rustikalen und bescheidenen Schönheit einführte. Sen no Rikyū (1522-1591), der als Vater der modernen Zeremonie gilt, verband Wabi mit Sabi und legte die Gestaltung des Teehauses, die Abläufe und die Utensilien fest, an die man sich bis heute hält. Sein Teeraum Taian von 1582 ist in der Nähe von Kyoto noch erhalten (Seco, 2021).

Japanischer Holzschnitt aus dem 19. Jahrhundert mit einer Frau im Kimono, die mit einem Bambusbesen Tee zubereitet
Teezubereitung mit dem Bambusbesen (Chasen) auf einem Ukiyo-e-Druck der Edo-Zeit. Holzschnitt: Utagawa Kuniyoshi, gemeinfrei, via British Museum/Wikimedia Commons.

Der Tee erreicht Europa

Den Seehandel mit Tee hatten zuerst die Portugiesen in der Hand: Ab 1557 verfügten sie über einen von der Ming-Dynastie gewährten Handelsstützpunkt in Macau, von dem aus Gold, Moschus, Perlen, Porzellan und Seide nach Goa und Lissabon gingen, dazu Tee, für den sich die Europäer besonders interessierten (Cartwright, 2021). Die Niederländer machten aus dem Blatt ein Geschäft, und zu Beginn des 17. Jahrhunderts brachten Schiffe der Niederländischen Ostindien-Kompanie, der VOC, die ersten Blätter grünen Tees nach Amsterdam (Wikipedia, 2026a). Am häufigsten wird das Jahr 1610 genannt, mit einer Ladung aus dem japanischen Handelsposten Hirado, doch die herangezogene Quelle, die das Datum so genau angibt, eine Antiquitätengalerie in Amsterdam, nennt kein zeitgenössisches Dokument (Aronson, 2026).

In England war Tee schon im Umlauf, bevor die Englische Ostindien-Kompanie ihn bestellte. Am 25. September 1660 notierte der Chronist Samuel Pepys in seinem Tagebuch, er habe nach „a cup of tee (a China drink)“ schicken lassen, also nach einer Tasse Tee, einem chinesischen Getränk, das er noch nie probiert hatte (UKTIA, 2026a). Das Datum widerlegt eine der beliebtesten Geschichten über den englischen Tee, nämlich dass die portugiesische Prinzessin Katharina von Braganza ihn ins Land gebracht habe, wo sie am 13. Mai 1662 eintraf, um Karl II. zu heiraten. Nach Angaben der UK Tea & Infusions Association, des britischen Branchenverbands, hat sie den Tee nicht eingeführt, wohl aber dazu beigetragen, ihn in Mode zu bringen, zuerst am Hof und dann in der Aristokratie (UKTIA, 2026a). Die Frage ist bis heute umstritten, und ein Fachaufsatz von Susana Varela Flor aus dem Jahr 2021 unterzieht die Primärquellen, die die Königin im England der Stuarts mit dem Tee in Verbindung bringen, einer kritischen Prüfung (Flor, 2021).

Die Kompanie, die seit 1600 das Monopol auf den britischen Handel mit Ostindien besaß, gab 1664 ihre erste Bestellung auf, 100 englische Pfund Tee aus China. Das Monopol und hohe Steuern hielten die Ware teuer und befeuerten den Schmuggel (UKTIA, 2026b). Um die verschuldete Kompanie zu retten, verabschiedete das Parlament 1773 den Tea Act, der ihr erlaubte, Tee über eigene Agenten direkt an die amerikanischen Kolonien zu verkaufen, an den örtlichen Händlern vorbei, auf einem Markt, auf dem eine Steuer von 3 Pence pro Pfund galt (UKTIA, 2026c).

Die Antwort kam in der Nacht des 16. Dezember 1773, als Kolonisten im Hafen von Boston drei Schiffe bestiegen und nach der meistzitierten Zählung 342 Teekisten der Kompanie über Bord warfen, aus Protest gegen eine Steuer, die ein Parlament beschlossen hatte, in dem die Kolonien nicht vertreten waren. London reagierte 1774 und ließ den Hafen schließen, solange der Tee nicht bezahlt war, und das Ereignis, die Boston Tea Party, gilt als einer der unmittelbaren Auslöser der Amerikanischen Revolution (NPS, 2025).

Lithografie aus dem 19. Jahrhundert zur Boston Tea Party, auf der Kolonisten an Deck eines Schiffes Teekisten in den Hafen von Boston kippen, während eine Menschenmenge vom Kai aus zusieht
So stellte sich der Lithograf Nathaniel Currier 1846, mehr als sieben Jahrzehnte nach den Ereignissen, die Nacht des 16. Dezember 1773 vor, in seinem Blatt „The Destruction of Tea at Boston Harbor“. Gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Der Afternoon Tea stammt aus der viktorianischen Zeit, und die Überlieferung schreibt ihn Anna Maria Russell zu, der siebten Herzogin von Bedford, die sich um 1841 am Nachmittag Tee und einen Imbiss bringen ließ, um die lange Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, eine Gewohnheit, die sich ab den 1860er-Jahren durchsetzte (UKTIA, 2026d). Die Urheberschaft ist allerdings umstritten, und die Historikerin Julia Skinner hält es für möglich, dass es die Mahlzeit schon vor der Herzogin gab oder dass diese lediglich einen informellen Brauch in feste Form brachte (Wikipedia, 2026b).

Tee in Brasilien: zwischen Quellen und Vergessen

Dom João VI. und die ersten Teegärten von Rio de Janeiro

Nach Brasilien kam der Tee mit dem portugiesischen Hof. Am 13. Juni 1808 ließ Prinzregent Dom João, der spätere König João VI., in Rio de Janeiro einen Akklimatisierungsgarten anlegen, aus dem 1811 der Botanische Garten hervorging, und laut dem Forscher Marcelo Alves Cerdan von der Universidade Estadual Paulista (Unesp) wurde der Tee dort 1810 eingeführt. Der Graf von Linhares schlug vor, 2.000 chinesische Siedler für den Anbau anzuwerben, es kamen jedoch rund 400 (Cerdan, 2019). Die Quellen gehen hier auseinander, sie nennen zwischen 100 und 400 Chinesen und als Jahr der Einführung 1808 bis 1814, und kein zeitgenössisches Dokument, das sich für diesen Text auffinden ließ, klärt die Frage. Das zeitlich nächste Zeugnis stammt von der britischen Reisenden Maria Graham, die in den 1820er-Jahren festhielt, der König habe den Garten vor allem „für den Tee, den er aus China kommen ließ“ bestimmt (Cerdan, 2019).

Dom João befreite das Material für den Teeanbau von Zöllen und stiftete Medaillen für Teebauern, doch der Anbau verlor seinen wichtigsten Förderer, als er 1821 nach Portugal zurückkehrte. Der Ordensbruder Frei Leandro do Sacramento, ab 1824 Direktor des Botanischen Gartens, nahm die Versuche wieder auf und schickte Samen in andere Provinzen. 1825 verzeichnete der Maler Johann Moritz Rugendas rund 6.000 Teesträucher am Ufer der Lagoa Rodrigo de Freitas (Cerdan, 2019). Die chinesische Präsenz hat sich in die Landschaft Rios eingeschrieben: Der Aussichtspunkt Vista Chinesa im Tijuca-Wald wurde 1903 zu Ehren der Chinesen errichtet, die zum Teeanbau gekommen waren (Diário do Rio, 2026).

Aussichtspunkt Vista Chinesa, eine Pagode im fernöstlichen Stil in Alto da Boa Vista, umgeben vom Tijuca-Wald, im Hintergrund die Stadt Rio de Janeiro
Die Pagode der Vista Chinesa in Alto da Boa Vista bei Sonnenaufgang, im Hintergrund die Silhouette des Zuckerhuts. Foto: Andre Indio do Brasil, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons.

Der kurze Teeboom von São Paulo im 19. Jahrhundert

In São Paulo zählten Erhebungen aus den Jahren 1851 und 1852 zwischen 32 und 37 Teefabriken in Städten wie Atibaia, Itu, Porto Feliz und São Roque. Die Provinz exportierte 1857/1858 Tee im Umfang von 3.209 Arrobas, einer alten iberischen Gewichtseinheit, doch 1862/1863 war für das Produkt schon kein Wert mehr verzeichnet, während der Kaffee auf dem Vormarsch war, und 1873 führte der Provinzalmanach nur noch Itu als Erzeuger (Cerdan, 2019). Eine unveröffentlichte Hochschulschrift von 1955, die Forscherinnen der Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG) zitieren, enthält Angaben, die noch der Bestätigung bedürfen: Brasilianischer Tee soll 1873 auf einer Ausstellung in Wien den zweiten Platz belegt haben, und nach der Abschaffung der Sklaverei 1888 soll die Produktion auf ein bedeutungsloses Niveau gesunken sein (Paganini-Costa; Carvalho-da-Silva, 2011).

Das Vale do Ribeira und das japanische Erbe

Das dauerhafteste Kapitel schrieben japanische Einwanderer, beginnend mit der geplanten Besiedlung des Vale do Ribeira, die 1912/1913 einsetzte. Registro gilt als die erste geplante und dauerhaft etablierte japanische Kolonie des Landes und wurde 1918 zum Sitz der Gesellschaft bestimmt, die die Besiedlung der Region leitete (Aoki; Lima, 2011). Als Pionier des Teeanbaus in der Gemeinde gilt der Einwanderer Torazo Okamoto, der die ersten Samen pflanzte (Aoki; Lima, 2011), und die Version, er habe 1913 Setzlinge der Assam-Varietät aus Sri Lanka mitgebracht, stammt aus einem Beitrag des Landesparlaments von São Paulo (Assembleia Legislativa, kurz Alesp) und findet in den herangezogenen wissenschaftlichen Quellen keine Bestätigung (Alesp, 2023).

Die ersten Versuche stammen von 1918, doch kommerziell nahm der Anbau erst in den 1930er-Jahren Gestalt an, nach dem Niedergang des Kaffees in der Region, und 1960 erreichte er den Exportmarkt. Zehn Jahre später erzeugte Registro 7 Millionen Kilogramm Tee, gegenüber 2,4 Millionen Kilogramm Palmherzen und 800.000 Kilogramm Reis (Aoki; Lima, 2011). Zwischen 1930 und 1990 waren mehr als 1.500 Erzeuger am Teeanbau im Tal beteiligt, der rund 5.000 Hektar belegte und sieben Fabriken belieferte (Resende et al., 2024). Laut dem Landesparlament von São Paulo war die Stadt eine Vorreiterin der Schwarzteeproduktion in Lateinamerika und exportierte rund 90 Prozent ihrer historischen Produktion. Ein Gesetz des Bundesstaates von 1984 erklärte sie zur Teehauptstadt von São Paulo (Alesp, 2023).

Alte Schwarz-Weiß-Aufnahme von Männern im Anzug, die Reihen von Teesträuchern auf einer Plantage in Registro im Vale do Ribeira besichtigen
Besuch einer Teeplantage in Registro im Vale do Ribeira auf einer historischen Aufnahme. Foto: Archiv des Museu Histórico da Imigração Japonesa, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Ein fast vergessenes Kapitel

Der Niedergang kam in den 1990er-Jahren, ausgelöst durch Probleme bei der Bewirtschaftung und vor allem durch einen ungünstigen Wechselkurs, der die Exporte unrentabel machte (Resende et al., 2024), hinzu kam die Konkurrenz aus Ländern wie Argentinien (Alesp, 2023). Die Fabrik Agrochá, die zeitweise fast 60 Prozent ihrer Produktion ins Vereinigte Königreich verkaufte, schloss im Jahr 2000 (Aoki; Lima, 2011). In der Zeitreihe des brasilianischen Statistikinstituts IBGE zeigt sich der Einbruch der Erntemenge allerdings erst nach der Jahrtausendwende: 1990 brachte Registro noch rund 24.000 Tonnen frische Teeblätter ein und 2000 fast 25.900 Tonnen, 2015 waren es nur noch 450 Tonnen und zwischen 2019 und 2024 um die 150 Tonnen pro Jahr, ein Rückgang um mehr als 99 Prozent (IBGE, 2026).

Trotzdem exportierte die Gemeinde zwischen 1997 und 2023 Tee im Wert von mehr als 68 Millionen US-Dollar, auch wenn inzwischen Bananen und Palmherzen die Landwirtschaft vor Ort anführen (Alesp, 2023). Einige Familien haben den Anbau wieder aufgenommen, etwa die Familie Yamamaru, die seit 2014 in einem Agroforstsystem Tee anbaut (CNA, 2023). Laut einer Reportage des Senders Band liegt die kommerzielle Produktion von echtem Tee in Brasilien heute in den Händen von drei Familien und einem Familienunternehmen, alle japanischer Herkunft und im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo ansässig, und der Branchenverband Associação Brasileira de Chá schätzt die Anbaufläche auf rund 218 Hektar bei einer Produktion von 1.800 Tonnen pro Jahr (Band, 2024).

Tee oder Aufguss? Die Pflanze macht den Unterschied

In Brasilien heißt fast jedes Pflanzengetränk, das mit heißem Wasser zubereitet wird, Tee, doch die Norm ISO 20715:2023, die die Teetypen klassifiziert, geht ausschließlich von der Verarbeitung der Blätter von Camellia sinensis aus und nimmt Aufgüsse aus anderen Pflanzen und aus Früchten von ihrem Anwendungsbereich aus (ISO, 2023).

Alte botanische Tafel von Camellia sinensis mit einem Zweig gesägter Blätter, weißen Blüten mit gelber Mitte sowie detailliert gezeichneter Frucht und Samen
Botanische Tafel von Camellia sinensis mit blühendem Zweig sowie Frucht und Samen im Detail. Illustration: Franz Eugen Köhler, Köhler’s Medizinal-Pflanzen (1887), gemeinfrei, via Wikimedia Commons.

Im Fachhandel trennt man häufig drei Begriffe, so etwa im Glossar des US-Importeurs Upton Tea Imports: Tee ist das Getränk aus verarbeiteten und getrockneten Blättern von Camellia sinensis; ein Kräuteraufguss verwendet Teile anderer Pflanzen und kann Koffein enthalten, wie Guaraná, Guayusa und Mate; eine Tisane schließlich ist ein koffeinfreier Pflanzenaufguss (Upton Tea Imports, 2024). In Indien hat die Unterscheidung Gesetzeskraft: Im Dezember 2025 erinnerte die Behörde für Lebensmittelsicherheit des Landes, die FSSAI, die Unternehmen daran, dass die indische Verordnung von 2011 die Bezeichnung „tea“ Getränken aus Camellia sinensis vorbehält, und wertete den Verkauf von Produkten als Blüten-, Hibiskus- oder Rooibostee als irreführende Kennzeichnung (Business Standard, 2025). Deshalb steht Tee in diesem Text immer für Camellia sinensis, und alle anderen Pflanzen erscheinen als Aufgüsse, ein botanischer Unterschied, mit dem kein Qualitätsurteil verbunden ist.

Die sechs Typen von echtem Tee

Die ISO-Norm unterscheidet sechs Teetypen, die alle von derselben Pflanze stammen und sich allein in der Verarbeitung unterscheiden: dunkler Tee (zu dem auch Pu-Erh gehört), gelber Tee, grüner Tee, Oolong, schwarzer Tee und weißer Tee (ISO, 2023). Eine Übersichtsarbeit im Journal of Food Science aus dem Jahr 2022 nennt die Oxidation als zentralen Faktor, denn grüner Tee wird nur minimal oxidiert und behält viele der ursprünglichen Catechine des Blattes, Oolong liegt dazwischen, und schwarzer Tee durchläuft eine weitgehende Oxidation (Wong et al., 2022). In der professionellen Verkostung geht man bei grünem und weißem Tee von minimaler Oxidation aus, beim Oolong von 10 bis 80 Prozent und beim schwarzen Tee von einer fast vollständigen, während Pu-Erh zusätzlich mikrobiell fermentiert wird und über Jahrzehnte reifen kann (Professional Tea Taster, 2026).

Beliebte Aufgüsse und ihre wissenschaftlichen Namen

Bei den in Brasilien meistgetrunkenen Aufgüssen sorgt der Volksname oft für Verwirrung, die der wissenschaftliche Name auflöst:

  • Hibiskus (Hibiscus sabdariffa L.): Er ist auch als Roselle bekannt, heißt in Brasilien vinagreira, und sein wissenschaftlicher Name ist im International Plant Names Index auf Grundlage der Beschreibung verzeichnet, die Linné 1753 vorlegte (IPNI, 2026).
  • Ingwer (Zingiber officinale Roscoe): Er ist in einem Gebiet heimisch, das vom östlichen Himalaja bis ins südliche Zentralchina reicht (Kew, 2026d).
  • Kamille (Matricaria chamomilla L.): Die Royal Botanic Gardens, Kew, führen diesen Namen als anerkannt und betrachten Matricaria recutita als Synonym (Kew, 2026a).
  • Melisse (Melissa officinalis L.): Sie wird auch Zitronenmelisse genannt, gehört zur Familie der Lamiaceae und ist vom Mittelmeerraum bis Zentralasien heimisch. In Brasilien heißt sie erva-cidreira und teilt diesen Volksnamen mit dem Zitronengras und weiteren Pflanzen, obwohl sie eine eigene Art ist (Kew, 2026c).
  • Minze (Gattung Mentha L.): Die Gattung umfasst je nach Quelle 18 bis 24 Arten, und für Aufgüsse werden vor allem die Grüne Minze (Mentha spicata) und die Pfefferminze (Mentha × piperita) verwendet (Kew, 2026e).
  • Zitronengras (Cymbopogon citratus (DC.) Stapf): In Brasilien heißt es auch capim-santo und vielerorts erva-cidreira, und es ist in Südindien und Sri Lanka heimisch (Kew, 2026b).

Mate, das Erbe der Guaraní

Nach demselben Kriterium ist auch das Blattgetränk, das im Süden Brasiliens am tiefsten verwurzelt ist, kein Tee. Mate, Ilex paraguariensis A.St.-Hil., gehört zur Familie der Aquifoliaceae und ist in einem Gebiet heimisch, das von Brasilien bis in den Nordosten Argentiniens reicht und auch Paraguay und Uruguay umfasst (Kew, 2026f). Er ist ein koffeinhaltiger Kräuteraufguss, so wie Guaraná (Upton Tea Imports, 2024).

Von den Guaraní zu den Jesuitenmissionen

Mate zu trinken gilt als direktes Erbe der Guaraní, die in den Einzugsgebieten der Flüsse Paraguay, Paraná und Uruguay lebten und die Pflanze als Nahrung, in bestimmten Zusammenhängen als Tauschmittel und als Kultgegenstand nutzten (National Geographic Brasil, 2023). Vor der spanischen Eroberung hatte der Konsum eine rituelle Funktion und lag in der Hand der Schamanen (Mayer, 2019).

Über die Herkunft der Bomba (spanisch Bombilla), des Trinkröhrchens mit Filter für den Chimarrão, wie der heiß aufgegossene Mate in Südbrasilien heißt, sind sich die Quellen nicht einig. Eine verbreitete Version führt sie auf das Tacuapi zurück, ein durchlöchertes Bambusrohr, mit dem die Guaraní den in Kalebassen zubereiteten Aufguss tranken (National Geographic Brasil, 2023). Der Forscher Ricardo da Silva Mayer hat Berichte von Jesuiten und Reisenden vor allem aus dem 18. Jahrhundert ausgewertet und schlägt eine andere Lesart vor, nach der die heutige Art, Mate zu trinken, aus einer Verschmelzung indigener Traditionen mit Lösungen der Kolonisten hervorgegangen sei (Mayer, 2019).

Die Jesuiten versuchten im 17. Jahrhundert, den Mategenuss unter den Indigenen zu verbieten, lenkten aber um 1630 ein, und Mate wurde zu einem der wichtigsten Wirtschaftszweige der Missionen (National Geographic Brasil, 2023). Die Missionare legten zudem Matepflanzungen in der Nähe der Reduktionen an, wobei das Datum der ersten Anpflanzungen je nach Studie zwischen 1610 und 1660 liegt (Vegro, 1994; Mayer, 2019). Der Handel verschaffte den Missionen ein Quasimonopol auf den Märkten von Asunción, Buenos Aires und Montevideo und machte das Getränk in den spanischen Kolonien billiger, bis die Ausweisung der Jesuiten, 1767 angeordnet und 1768 vollzogen, die Gewinnung wieder auf die Wildsammlung zurückwarf (Vegro, 1994; Museu das Missões, o. J.).

Chimarrão und Tereré

Heißes Wasser wird auf einer Wiese im Freien in eine Chimarrão-Cuia mit grünem Mate und metallener Bomba gegossen
Chimarrão-Zubereitung im Freien, bei der heißes Wasser über den Mate gegossen wird. Foto: Moniquejuchum, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons.

Aus demselben Blatt gehen zwei Rituale hervor. Der Chimarrão, verbreitet im Süden Brasiliens und in Uruguay, wird mit heißem Wasser von etwa 70 °C in einer Cuia aufgegossen, einem Gefäß aus Flaschenkürbis (porongo) oder aus der Frucht des Kalebassenbaums (cuieira), und mit der Bomba getrunken. Der Tereré dagegen, beliebt in Paraguay und in Mato Grosso do Sul, wird mit kaltem Wasser und gröber gemahlenem Mate zubereitet, oft mit Limette und Minze, und in der Guampa serviert, einem Gefäß, das meist aus Horn gefertigt ist (Band, 2025). Der Name stammt aus dem Guaraní und bedeutet „Mate mit kaltem Wasser“, und nach Mato Grosso do Sul kam der paraguayische Einfluss vor allem über die Grenze zwischen Ponta Porã und Pedro Juan Caballero (Lima; Pereira; Barros, 2024).

Kulturerbe und Wirtschaft

2020 nahm die Unesco auf Antrag Paraguays den Tereré, ein überliefertes Getränk der Guaraní, mit den zugehörigen Praktiken und dem traditionellen Wissen in der Kultur des Pohã Ñana in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit auf. Der Titel gilt also dem paraguayischen Tereré und nicht dem Chimarrão (Unesco, 2020). In Brasilien verzeichnete Rio Grande do Sul im Juni 2023 sein erstes immaterielles Kulturerbe, das Sistema Cultural e Socioambiental da Erva-Mate Tradicional, also das kulturelle und sozioökologische System des traditionellen Mate (Tkatch, 2023). Im selben Monat erklärte Mato Grosso do Sul den Tereré zum kulturellen und immateriellen Erbe des Bundesstaates (Rosel, 2023).

Wirtschaftlich gesehen erzielte die Sammlung von wild wachsendem Mate 2023 einen Produktionswert von 589,6 Millionen Reais, nach Açaí den zweithöchsten unter den pflanzlichen Nichtholzprodukten aus Wildsammlung, und 87 Prozent der Menge entfielen auf Paraná. Das IBGE weist allerdings darauf hin, dass die größten Mengen heute aus Plantagen stammen, die in einer anderen Erhebung erfasst werden (IBGE, 2024). 2019 war Brasilien der weltweit größte Produzent, beim Exportwert lag jedoch Argentinien vorn, da der Großteil des brasilianischen Mate im Inland bleibt (Favaretto et al., 2023).

Vom Blatt in die Tasse: die kuratierte Kollektion von Natublend

Die kuratierte Kollektion von Natublend umfasst fünfzehn eigene Blends, die nach Gottheiten der griechisch-römischen Mythologie benannt sind: Apollo, Ares, Athena, Aurora, Bacchus, Epione, Gaia, Harmonia, Hermes, Hestia, Hypnos, Iaso, Salus, Venus und Zeus. Die Namen sind Teil der Markenidentität und stehen in keinem historischen Zusammenhang mit dem Getränk, das Griechen und Römer nicht kannten und das erst mit den Seefahrten des 16. und 17. Jahrhunderts nach Europa kam. Jeder Blend geht von einem Thema und einer Tageszeit aus und folgt einem eigenen sensorischen Konzept.

Portion eines losen Natublend-Blends von oben gesehen, mit getrockneten Kamillenblüten, Kräuterstängeln und Kräuterblättern sowie roten Stücken getrockneter Früchte
Einer der Blends aus der kuratierten Kollektion von Natublend, mit getrockneten Kamillenblüten, Kräuterblättern und Stücken getrockneter Früchte.

Ganz im Sinne der Unterscheidung zwischen Tee und Aufguss vereint die Linie beide Getränkefamilien. Ein Teil der Blends enthält Blätter von Camellia sinensis und ist damit Tee im fachlichen Sinn: Athena basiert auf schwarzem Tee mit Anis (Pimpinella anisum), Gewürznelken und Rosmarin, während Ares und Aurora von weißem Tee ausgehen, der eine mit Gewürznelken, Ingwer und Pfefferminze, der andere mit Hibiskus, Jasmin und Kamille. Andere kommen ohne Teeblatt aus und sind Aufgüsse, etwa Harmonia mit Jasmin, Melisse (Melissa officinalis), Pfefferminze und Zitronengras, Hypnos mit Himbeere, Kamille, Lavendel und Melisse sowie Zeus, mentholbetont, mit Jasmin, Kamille, Pfefferminze und Zitronengras.

Hinter jedem Blend steht eine Idee für den passenden Moment, kein Wirkversprechen. Athena, vollmundig dank des schwarzen Tees, ist als Begleiter für Lern- und Arbeitsstunden gedacht, Hestia für die Pause nach dem Essen und Hypnos, der ohne Teeblatt auskommt, für das Ritual am Ende des Tages. Die gesamte Kollektion mit der Zusammensetzung jedes Blends findet sich auf der Seite Tees und Aufgüsse von Natublend.

Häufige Fragen

Stammen grüner und schwarzer Tee von derselben Pflanze?

Ja. Beide stammen, ebenso wie dunkler Tee, gelber Tee, Oolong und weißer Tee, von Camellia sinensis, und was sie unterscheidet, ist die Verarbeitung, vor allem der Grad der Oxidation (ISO, 2023; Wong et al., 2022).

Ist Kamille ein Tee?

Im Alltag ja. Nach dem fachlichen Kriterium der Norm ISO 20715:2023 nicht, denn Kamille (Matricaria chamomilla) stammt nicht von Camellia sinensis und ist daher ein Aufguss (ISO, 2023; Kew, 2026a).

Hat Kaiser Shennong den Tee entdeckt?

Das ist eine Legende. Es gibt keinen Beleg dafür, dass Shennong existiert hat, und einer der ältesten physischen Nachweise von Tee, die Blätter aus dem Mausoleum des Kaisers Jing aus der Han-Dynastie, ist rund 2.100 Jahre alt (Mair, 2016; Lu et al., 2016).

Brachte Katharina von Braganza den Tee nach England?

Nein. Samuel Pepys erwähnte schon 1660 in seinem Tagebuch eine Tasse Tee, zwei Jahre vor der Ankunft Katharinas, deren Rolle laut dem britischen Branchenverband darin bestand, das Getränk am Hof in Mode zu bringen, ein Punkt, über den die Geschichtsforschung noch diskutiert (UKTIA, 2026a; Flor, 2021).

Produziert Brasilien echten Tee?

Ja, in kleinem Maßstab. Die kommerzielle Produktion von Camellia sinensis konzentriert sich auf wenige Familien japanischer Herkunft im Landesinneren des Bundesstaates São Paulo, vor allem im Vale do Ribeira, und umfasst rund 218 Hektar (Band, 2024).

Ist Mate ein Tee?

Streng genommen nicht. Mate (Ilex paraguariensis) ist ein koffeinhaltiger Kräuteraufguss, so wie Guaraná (Kew, 2026f; Upton Tea Imports, 2024).

Quellen

48 Zitierte Quellen

Evidenzgrad: 🥇 Hoch

Basierend auf 48 zitierten Quellen (3 Peer-Reviewed, 9 Institutionelle, 36 Ergänzende).

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Peer-Reviewed Wissenschaftliche Studien (3)

  1. PMC2016 LU, Houyuan et al. Earliest tea as evidence for one branch of the Silk Road across the Tibetan Plateau. Scientific Reports, Bd. 6, Art. 18955, 7. Jan. 2016. Verfügbar unter: pmc.ncbi.nlm.nih.gov.
  2. PMC1925 WONG, M.; SIRISENA, S.; NG, K. Phytochemical profile of differently processed tea: A review. Journal of Food Science, Bd. 87, Nr. 5, S. 1925-1942, 2022. DOI 10.1111/1750-3841.16137. Verfügbar unter: pubmed.ncbi.nlm.nih.gov.
  3. DOI2000 FAVARETTO, Leticia; FAVARETTO, Juliana; LISBINSKI, Fernanda Cigainski; CORONEL, Daniel Arruda. Desempenho dos principais estados brasileiros exportadores de erva-mate (2000-2020). Gestão & Regionalidade, Bd. 39, e20237824, 2023. Verfügbar unter: doi.org.

Institutionelle Quellen (9)

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Ergänzende Lektüre (36)

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  33. 2025 BAND. Qual é a diferença entre o chimarrão e o tererê? São Paulo: Band, Sept. 2025. Verfügbar unter: band.com.br.
  34. 2024 LIMA, Nathália Soares; PEREIRA, Ricardo Henrique Gentil; BARROS, Adriana de. Análises das condições sanitárias da Erva-Mate (Ilex paraguariensis St. Hil.) comercializada na cidade de Aquidauana, MS. Revista Pantaneira, Bd. 23, 2024. Verfügbar unter: periodicos.ufms.br.
  35. 2023 TKATCH, Bruna. Erva-mate é patrimônio cultural imaterial do Rio Grande do Sul. Jornal do Comércio, Porto Alegre, 13. Juni 2023. Verfügbar unter: jornaldocomercio.com.
  36. 2023 ROSEL, Patrick. Tereré é declarado patrimônio cultural e imaterial de Mato Grosso do Sul. Correio do Estado, Campo Grande, 29. Juni 2023. Verfügbar unter: correiodoestado.com.br.

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